Anzeige und Bedienung am Arbeitsschritt erproben

Datenbrillen in der Industrie: Welche Bedienung zur Aufgabe passt

Wer eine Baugruppe mit beiden Händen hält, kann einen Prüfhinweis nicht zugleich auf einem Tablet nachschlagen. Eine Datenbrille kann die Information ins Sichtfeld bringen. Ob das den Arbeitsschritt erleichtert, hängt jedoch auch davon ab, wie die Anzeige bedient wird, wie eine Angabe erfasst wird und was bei einer unklaren Beobachtung geschieht.

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Für den Einsatz von Datenbrillen in der Industrie müssen deshalb Tätigkeit, Anzeige und Bedienweg zusammenpassen. Ein kurzes Ergebnisfeld stellt andere Anforderungen als eine räumliche Markierung am Bauteil. Und ein Hinweis, den eine Person im Stehen liest, muss sich auch dann bewähren, wenn sie sich bückt, ein Werkzeug führt oder die Hände für einen sicheren Griff braucht.

PRAXISTEST

Passt die Brille zur Arbeit?

Drei Fragen für die Erprobung am Arbeitsplatz.

Person mit einem an der Kappe befestigten Kopfdisplay, die dessen Position vor dem Auge einstellt.
  1. Sitz prüfen

    Bleibt die Brille bei Bewegung an ihrem Platz – auch mit der benötigten Schutzausrüstung?

  2. Anzeige einstellen

    Lässt sich das Display so ausrichten, dass der Hinweis im Blick liegt?

  3. Hinweis lesen

    Kann ich den Hinweis lesen und dabei die Arbeitsstelle weiter sehen?

Was eine Datenbrille anzeigt

Datenbrillen sind am Kopf getragene Geräte, die digitale Informationen vor einem oder beiden Augen darstellen. Der Begriff Smartglasses wird hier gleichbedeutend verwendet. Wie diese Informationen zur Umgebung in Beziehung stehen, unterscheidet sich zwischen den Geräten und Anwendungen. Wird zusätzlich ein Gerätewert übernommen, muss die Anbindung über das IoT-Gateway den Wert mit seiner Quelle und dem richtigen Arbeitsschritt verbinden.

Bei Assisted Reality zeigt ein kleines Display beispielsweise einen Prüfhinweis, eine Messwertangabe oder ein Videobild. Die Information ist nicht räumlich an einem realen Bauteil verankert. Räumliche Augmented Reality kann dagegen eine Markierung oder ein digitales Objekt so darstellen, dass es einer Position in der Umgebung zugeordnet erscheint. Dafür muss die Anwendung diese räumliche Beziehung herstellen und während der Nutzung aufrechterhalten.

Eine AR-Brille ist damit eine mögliche Geräteklasse für industrielle Aufgaben. Für einen kurzen Hinweis oder eine Fernanleitung kann auch eine Anzeige ohne räumliche Verankerung ausreichen. Die Entscheidung beginnt bei der Information, die während der Tätigkeit gebraucht wird.

Die untersuchten Datenbrillen im Vergleich

Die folgende Übersicht ordnet sechs Geräte beziehungsweise Konfigurationen aus den herangezogenen Arbeiten ein. Sie beschreibt die damaligen Untersuchungsaufbauten und die daraus abgeleiteten Fragen für eine eigene Erprobung. Welche Geräte 420+ unterstützt oder für einen konkreten Einsatz freigibt, wird durch diese Übersicht nicht ausgesagt. Eine transparente Anzeige allein bedeutet noch nicht, dass Inhalte räumlich am Bauteil verankert sind.

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Gerät oder Konfiguration Anzeige Bedienung in der jeweiligen Arbeit Untersuchung und Frage für die eigene Auswahl
RealWear Navigator; Modell im Methodenteil nicht genauer bezeichnet Kopfgetragenes Display mit jeweils einem Montageschritt im Sichtfeld Freihändiger Zugang zur Anleitung; der genaue Bedienweg ist im Methodenteil nicht ausformuliert LEGO-Montage: Lässt sich der nächste Hinweis aufrufen, ohne die laufende Handlung unnötig zu unterbrechen?[3]
RealWear Navigator 520 Kleines Display vor einem Auge Sprachkommandos zur Bedienung der Fernanleitung Simulierte Schiffsumgebung: Bleiben Hinweise und Umgebung beim Gehen, Bücken und Knien ausreichend wahrnehmbar?[1]
Microsoft HoloLens 2 Durchsichtige Anzeige für digitale Inhalte im Sichtfeld Handgesten zur Navigation im virtuellen Handbuch Montage und Demontage von Computerkomponenten: Wie viel zusätzliche Handbewegung und Bedienzeit verlangt die Anleitung?[4]
Trimble XR10 mit HoloLens 2 HoloLens-2-Anzeige in einer Helmkonfiguration Bedienung der Fernanleitung durch Handbewegungen im Raum Simulierte Schiffsumgebung: Wie wirken sich die Kombination aus Helm, Anzeige und Bedienung auf die Bewegung im Arbeitsraum aus?[1]
Vuzix M400 Kleines, optisch nicht durchsichtiges Display vor einem Auge; in der Wartungsquelle als „video see-through“ bezeichnet Wartungsarbeit: Sprachkommandos getestet und Touchpad im Ablauf beschrieben. Rettungsdienst-Prototyp: Sprachkommandos und Handgesten Wartung und Datenerfassung: Funktioniert die Eingabe unter den vorgesehenen Geräuschbedingungen, und lassen sich erfasste Angaben zuverlässig prüfen?[2][7]
Vuzix M4000 Durchsichtige Wellenleiteranzeige vor einem Auge Der Review behandelt Sprache, Touchbedienung und Tasten; kein einheitlicher Bedienversuch Geräteergonomie: Ist die Anzeige passend einstellbar, sind Bedienelemente mit Helm erreichbar und stören Kabel oder Gewichtsverteilung?[8]

Die Fragen in der letzten Spalte sind redaktionell abgeleitete Prüffragen, keine nachgewiesenen Vorteile der Geräte. Für den Navigator der LEGO-Studie verweist das Literaturverzeichnis auf den Navigator 500; der Methodenteil nennt nur die Gerätefamilie. Seine Ergebnisse werden deshalb nicht dem Navigator 520 zugeschrieben. Die beiden HoloLens-Konfigurationen bleiben ebenfalls getrennt: Ein virtuelles Handbuch am Montageplatz und eine Fernanleitung mit Helm im Bewegungsraum stellen unterschiedliche Anforderungen.

Ein Prüfpunkt durch die Datenbrille

Ein fiktives Beispiel: Eine Person prüft eine Baugruppe auf eine sichtbare Beschädigung. Sie hält das Teil, verändert dessen Lage und betrachtet eine festgelegte Stelle. Die Datenbrille zeigt den passenden Prüfhinweis. Das Urteil über die beobachtete Stelle trifft die prüfende Person.

Für diesen Schritt müssen vier Dinge zusammenpassen:

Ebene Im Beispiel Verantwortung
Anzeige Den Prüfhinweis zum Schritt bereitstellen System
Handlung Die Baugruppe betrachten und die Beobachtung beurteilen Mensch
Eingabe Das Ergebnis der Prüfung angeben Mensch
Zuordnung Die Angabe mit Aufgabe, Objekt, Vorgabe, Person und Zeitpunkt verbinden Anforderung an das eingesetzte System

Ein Foto kann eine auffällige Stelle ergänzend dokumentieren. Ob es die entscheidende Stelle zeigt und ob sich daraus ein Befund ableiten lässt, muss gesondert beurteilt werden. Die Aufnahme allein schließt die Sichtprüfung nicht ab.

Kann die Person die Stelle nicht eindeutig einordnen, muss der vorgesehene Ablauf eine passende Antwort zulassen. Dazu kann eine Rückfrage oder eine erneute Prüfung gehören. Bei Human in the Loop muss das menschliche Urteil den weiteren Ablauf beeinflussen können. Eine erzwungene Gutmeldung würde die Unsicherheit verdecken.

Vom Prüfhinweis zur zugeordneten Angabe

  1. 01
    Prüfhinweis anzeigenSystem
  2. 02
    Beobachtung beurteilenMensch
  3. 03
    Ergebnis angebenMensch
  4. 04
    Angabe zuordnenAnforderung an das System
Angabe prüfen und korrigieren
Schematisches Beispiel einer Sichtprüfung. Das Prüfurteil trifft der Mensch. Die Zuordnung zeigt eine Anforderung an die eingesetzte Anwendung. Der Rückweg „Angabe prüfen und korrigieren“ bezeichnet eine Gestaltungsanforderung, keinen gezeigten Bildschirmablauf.

Anzeige, Eingabe, Bild und Auswertung haben verschiedene Aufgaben

Die Anzeige hilft, den Arbeitsschritt auszuführen. Eine Eingabe hält eine Angabe fest. Eine Bildaufnahme stellt Bildmaterial bereit. Eine anschließende Auswertung kann dieses Material oder die erfassten Daten untersuchen. Ob eine Anwendung alle vier Funktionen bietet und wie sie verbunden sind, muss für den konkreten Einsatz feststehen.

Diese Trennung wird bei Sprache besonders wichtig. Die Erkennung eines gesprochenen Werts sagt zunächst nur, welchen Inhalt die Anwendung erfasst hat. Die Person muss erkennen können, ob der Wert richtig übernommen wurde und wie sich eine falsche Angabe berichtigen lässt.

Eine Entwicklungsstudie zur Datenerfassung mit einer Vuzix M400 im Rettungsdienst beschreibt genau solche Bedienfragen. Der untersuchte Prototyp nutzte Sprachkommandos und Handgesten. Beteiligte berichteten unter anderem von Korrekturbedarf bei der Transkription fachlicher Abkürzungen. Die Untersuchung liefert Hinweise zur Gestaltung; eine Wirkung auf den tatsächlichen Rettungsdienstablauf, die Aufmerksamkeit oder die Arbeitsbelastung wurde nicht gemessen. Zudem verlängerte das Forschungsteam die Einweisung zwischen den Entwicklungsphasen.[2]

Für die industrielle Erprobung lässt sich daraus eine konkrete Frage ableiten: Kann die Person die erfasste Angabe prüfen und korrigieren, während sie ihre eigentliche Aufgabe sicher fortsetzt? Für die weitere Verwendung muss die Angabe im Kontextmodell mit der zugehörigen Aufgabe, dem geprüften Objekt und der geltenden Vorgabe verbunden sein.

Was unterschiedliche Versuchsergebnisse tatsächlich zeigen

Die Forschung liefert keine durchgängige Rangfolge zwischen Datenbrille, Tablet und Papier. Sie untersucht jeweils einen bestimmten Aufbau mit bestimmten Personen und Aufgaben. Drei Beispiele zeigen, weshalb das Vergleichsmedium und die statistische Aussage zum Ergebnis gehören.

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Untersuchung Aufbau Ergebnis und Grenze
Boroujeni und Kollegen, 2026 Zwölfstufige LEGO-Montage; 33 Personen aus nichttechnischen Studiengängen; Papier, Tablet oder RealWear Navigator Mit Smartglasses war die mittlere Zahl abgeschlossener Schritte pro Minute am höchsten. Für das Tempo wird jedoch kein einzelner Paarvergleich berichtet. Die geringere Fehlerrate ist gegenüber Papier abgesichert. Das Tablet erreichte den höchsten mittleren Wert im verwendeten Bedienbarkeitsfragebogen.[3]
Dorloh und Kollegen, 2023 Montage und Demontage von Computerkomponenten; 21 Studierende ohne Erfahrung in der Montage und Demontage von Computern; HoloLens 2, Papier oder Laptopvideo Die Bearbeitung dauerte mit der AR-Anweisung über die untersuchten Aufgaben hinweg signifikant länger. Bei der Montage traten signifikant weniger Fehler als mit Papier auf; der Fehlerunterschied zum Video war nicht signifikant.[4]
Eversberg und Lambrecht, 2023 Vertraute Reparaturaufgabe; zehn erfahrene Metallfachkräfte; Papier oder Assistenzsystem mit Touchscreen und separatem AR-Monitor Die mittlere Bearbeitungszeit lag beim Assistenzsystem um 21,2 Prozent niedriger. Dieser Zeitunterschied war statistisch nicht signifikant. Untersucht wurde Bildschirmassistenz, keine Datenbrille.[5]

Bei der LEGO-Montage hatten die Teilnehmenden keine Vorerfahrung mit Smartglasses und erhielten eine kurze Einweisung. Im Versuch mit Computerkomponenten unterschieden sich neben den Geräten auch die Darstellung und die Bedienung der Anweisungen. Bei der Reparaturarbeit kam ein umfassenderes Assistenzsystem zum Einsatz. Diese Bedingungen lassen sich nicht zu einem gemeinsamen Wirksamkeitswert verrechnen.

Die Unterschiede liefern Anhaltspunkte für die Auswahl. Sie erklären aber nicht isoliert, welcher Anteil eines Ergebnisses auf das Gerät, die Anleitung, die Bedienung oder die Übung zurückgeht. Auch bei digitalen Arbeitsanweisungen betrifft das Ergebnis der Reparaturstudie den gesamten untersuchten Arbeitsplatz.

Für einen eigenen Versuch sollten daher Bearbeitungszeit, Fehler und Bedienaufwand getrennt betrachtet werden. Ein Ablauf kann weniger Fehler erzeugen und zugleich länger dauern. Ob das für die Aufgabe eine Verbesserung ist, hängt davon ab, welche Fehler verhindert werden sollen und wo der zusätzliche Aufwand entsteht.

Räumliche Einblendung oder kleines Display

Eine räumliche Einblendung kann helfen, eine Stelle am Objekt zu finden. Sie verlangt zugleich, dass die Person die Anzeige und die reale Umgebung ausreichend wahrnimmt. Ein kleines Display mit einem Text- oder Videohinweis stellt andere Anforderungen an Sichtfeld und Navigation. Beide Konzepte müssen im vorgesehenen Bewegungsraum erprobt werden.

Eine Untersuchung mit 60 Personen verglich Fernanleitung über zwei Headsets und ein Smartphone in einer simulierten Schiffsumgebung. Beim Trimble XR10 mit HoloLens 2 wurden bestimmte Kopf- und Kniekontakte häufiger registriert als beim RealWear Navigator 520 und beim Smartphone. Zwischen Navigator und Smartphone wurde für diese Kontakte kein signifikanter Unterschied berichtet. Die vorliegende Arbeit ist eine arXiv-Fassung von 2025.[1]

Das ist kein allgemeiner Sicherheitsnachweis für eine Geräteklasse. Im Versuch variierten Gerät, Anzeige und Bedienung gemeinsam. Der Befund macht aber sichtbar, dass eine Anzeige, die an einem ruhigen Arbeitsplatz brauchbar erscheint, bei Ortswechseln und niedrigen Durchgängen andere Anforderungen stellen kann.

Für die Auswahl helfen drei Fragen: Muss eine Information räumlich am Objekt erscheinen? Muss die Person während der Anzeige ihren Standort wechseln? Und welche Bedienhandlung wird nötig, wenn sie die Position verändert? Die Antworten bestimmen, welches Anzeigekonzept im eigenen Ablauf getestet werden sollte.

Eine Wartungsarbeit von Sara, Todde und Caria untersuchte eine Vuzix M400 mit technischen Tests zu QR-Codes, Audio- und Videoübertragung sowie Sprachkommandos. Zusätzlich wurde eine schrittweise Anleitung für die Prüfung einer Melkanlage aufgebaut. Vier Bedienpersonen testeten 39 Sprachkommandos unter unterschiedlichen Geräuschbedingungen. Bei 75 dB unterschieden sich die Erkennungsraten deutlich zwischen den Personen; bei 80 und 85 dB wurden nur noch wenige beziehungsweise keine Kommandos erkannt. Das betrifft den untersuchten Aufbau von 2022 und ist keine allgemeine Geräuschgrenze für heutige M400-Anwendungen. Ein Nachweis schnellerer oder fehlerärmerer Wartung gegenüber Papier wurde damit nicht erbracht.[7]

Für einen eigenen Bedienversuch müssen deshalb auch Geräuschspitzen und Unterschiede zwischen den vorgesehenen Bedienpersonen berücksichtigt werden. In Saras Messungen erreichte der dort untersuchte landwirtschaftliche Maschinenraum im Mittel 96,7 dB und lag damit deutlich über den Geräuschpegeln, bei denen die Sprachkommandos im Versuch noch überwiegend erkannt wurden.[7] Eine Sprachfunktion, die in ruhiger Umgebung funktioniert, muss sich deshalb auch unter den tatsächlichen Geräuschbedingungen der Aufgabe bewähren.

Was das Tragen mit sich bringt

Zur Bedienung gehört auch das Tragen. Displayposition, Sichtbarkeit der Arbeitsstelle und Verträglichkeit mit Schutzbrille oder Helm müssen zur Tätigkeit passen. Ein kurzer Test im Besprechungsraum zeigt noch nicht, wie sich die Kombination unter den Bedingungen am Arbeitsplatz verhält.

Holz und Kollegen fassen in einem arbeitsmedizinischen Überblick von 2020/2021 mit Schwerpunkt auf Warenlogistik und Kommissionierung Untersuchungen zusammen, in denen Datenbrillen teilweise eine stärkere visuelle Ermüdung als herkömmliche Displays verursachten. Zugleich beschreiben sie eine damals begrenzte und uneinheitliche Forschungsbasis. Daraus lässt sich weder eine allgemeine Unbedenklichkeit noch eine pauschale Ungeeignetheit heutiger Geräte ableiten.[6]

Ein Industrie-Review von Solomashenko und Kollegen ergänzt die ergonomische Perspektive. Für die Vuzix M4000 beschreibt er unter anderem Schwierigkeiten bei der Displayeinstellung, die Erreichbarkeit der Tasten beim Tragen eines Helms sowie störende Kabel und eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung. Als Vorteile nennt derselbe Review die Verträglichkeit mit persönlicher Schutzausrüstung, die Anschlussmöglichkeit eines externen Akkus und ein geringes Gewicht von unter 200 Gramm. Die beschriebenen Vor- und Nachteile beruhen auf einer Mischung aus offenen Quellen, Unternehmensmaterial und Anwendererfahrungen. Sie liefern Auswahlkriterien, keine repräsentativen Häufigkeiten und keinen kontrollierten Nachweis einer geringeren Arbeitsleistung.[8]

Eine Erprobung sollte deshalb auch die vorgesehene Tragedauer, Blickwechsel und die tatsächlich benötigte Informationsmenge einbeziehen. Entscheidend ist, ob die Person den Hinweis lesen und anschließend die Arbeitsstelle beurteilen kann. Bei kontextsensitiver Assistenz muss die Darstellung deshalb auch zur Blickrichtung, Körperhaltung und Arbeitsumgebung passen.

Was bei einer Bestätigung feststehen muss

Eine Bestätigung kann einen Schritt abschließen oder den weiteren Ablauf beeinflussen. Die Person muss erkennen, welche Wirkung ihre Eingabe hat, welchen Inhalt sie bestätigt und ob die Anwendung diese Eingabe angenommen hat. Eine fehlende oder missverständliche Rückmeldung kann auch einen kurzen Bedienweg schwer beherrschbar machen.

Bei Sprache können Erkennung, Umgebungsgeräusche und Fachbegriffe eine Rolle spielen.[2] Für einen Bedienweg mit Taste lautet eine Prüffrage: Kann die Person die Taste versehentlich oder für die falsche Anzeige betätigen? Im Versuch sollte deshalb beobachtet werden, ob die vorgesehene Handlung eindeutig ist und ob sich eine falsche Angabe kontrolliert berichtigen lässt.

Ebenso gehört die Zuordnung zur handelnden Person in die Festlegung der Anwendung. Aus einem Eingabeweg allein ergibt sich diese Zuordnung nicht. Damit eine Bestätigung im Audit Trail nachvollziehbar bleibt, muss ihr Bezug zur handelnden Person und zum betroffenen Vorgang feststehen.

Smartglasses im Ausführungsmodus von 420+

420+ bindet Smartglasses in den SOP-gestützten Ausführungsmodus ein. Während der Ausführung lassen sich Messwerte und Auffälligkeiten erfassen; erfasste Daten und Bilder können anschließend ausgewertet werden. Die Bedienung lässt sich für den jeweiligen Prozess konfigurieren.

Für den konkreten Einsatz muss feststehen, welcher Bedienweg für welchen Schritt vorgesehen ist, welche Angabe erwartet wird und welche Wirkung eine Bestätigung auslöst. Diese Festlegung bildet die Grundlage für die Erprobung am Arbeitsplatz. Sie lässt sich nicht aus der bloßen Wahl eines Headsets ableiten.

Den ersten Versuch an einer konkreten Aufgabe beginnen

Die angeführten Studien untersuchen weder 420+ noch einen allgemeinen Standard für industrielle Smartglasses-Anwendungen. Sie zeigen, welche Unterschiede sichtbar werden können, wenn ein konkreter Ablauf mit einer bestimmten Anzeige und Bedienung getestet wird.

Ein erster Versuch lässt sich deshalb an einem klar begrenzten Schritt aufbauen: derselbe Prüfhinweis, dieselbe Aufgabe, eine festgelegte Eingabe und ein beobachtbarer Umgang mit unklaren oder falschen Angaben. Neben der Bearbeitungszeit zählt, ob die Person die Arbeitsstelle ausreichend wahrnimmt und ihr Ergebnis ohne Umwege prüfen kann.

Welcher Arbeitsschritt verlangt heute gleichzeitig beide Hände, einen Blick auf die Vorgabe und eine nachvollziehbare Angabe — und welchen dieser drei Anforderungen muss die Datenbrille im Versuch nachweisbar besser gerecht werden?

Primärquellen und weiterführende Literatur

  1. Camacho-Fidalgo, G. et al. (2025): Analyzing the Impact of Augmented Reality Head-Mounted Displays on Workers’ Safety and Situational Awareness in Hazardous Industrial Settings. arXiv:2503.04075v1, 06.03.2025. Geräteaufbau und Versuch: Abschnitte 3.1–3.9; Kontaktbefunde: Abschnitt 4.1, PDF-S. 5. Originalarbeit
  2. Zhang, Z.; Bai, E.; Xu, Y.; Stepanian, A.; Park, S. Y. (2025): Designing Hands-Free Technology to Support Real-Time Patient Data Collection and Documentation for Emergency Care Settings. International Journal of Human–Computer Interaction. DOI 10.1080/10447318.2025.2556236. Transkription und Bediengestaltung: physische PDF-S. 17; Einweisung und Grenzen: PDF-S. 20. Originalarbeit
  3. Arjmand Boroujeni, S. B.; Schulz, D.; Unbehaun, D. (2026): Sustainable digital transformation in training: evaluating manuals, tablets, and smart glasses for procedural guidance in an assembling process. i-com. DOI 10.1515/icom-2025-0051. Methodik: Abschnitte 3.2–3.3, PDF-S. 4–5; Ergebnisse: Abschnitte 4.1.1–4.1.2 und Tabelle 1, PDF-S. 6. Originalarbeit
  4. Dorloh, H.; Li, K.-W.; Khaday, S. (2023): Presenting Job Instructions Using an Augmented Reality Device, a Printed Manual, and a Video Display for Assembly and Disassembly Tasks: What Are the Differences? Applied Sciences 13(4), 2186. DOI 10.3390/app13042186. Zeit: PDF-S. 10; Montagefehler und Paarvergleiche: PDF-S. 11; Grenzen: PDF-S. 14–15. Originalarbeit
  5. Eversberg, L.; Lambrecht, J. (2023): Evaluating digital work instructions with augmented reality versus paper-based documents for manual, object-specific repair tasks in a case study with experienced workers. The International Journal of Advanced Manufacturing Technology 127, 1859–1871. DOI 10.1007/s00170-023-11313-4. Bildschirmaufbau: Abschnitt 4.1; Zeitunterschied und Signifikanz: Abschnitt 5.1. Originalarbeit
  6. Holz, A. et al. (2021; online 2020): Datenbrillen am Arbeitsplatz – Informationsdichte am Auge. Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie 71, 24–28. DOI 10.1007/s40664-020-00394-7. Historischer Forschungsstand und visuelle Beanspruchung: PDF-S. 2–3. Originalarbeit

  7. Sara, G.; Todde, G.; Caria, M. (2022): Assessment of video see-through smart glasses for augmented reality to support technicians during milking machine maintenance. Scientific Reports 12, 15729. DOI 10.1038/s41598-022-20154-2. Aufbau und Sprachtest: PDF-S. 3–4; Sprachresultate und Geräuschmessungen: PDF-S. 7, Tabellen 4–5; Bedienung und Grenzen des Wartungsszenarios: PDF-S. 9–10. Originalarbeit

  8. Solomashenko, A. B. et al. (2025): Industrial applications of AR headsets: a review of the devices and experience. Light: Advanced Manufacturing 6, Artikel 23. DOI 10.37188/lam.2025.023. Quellenbasis: PDF-S. 1; M4000-Anzeige: PDF-S. 8; ergonomische Beobachtungen: PDF-S. 16; Vergleichsgrenzen und Anwendungskriterien: PDF-S. 25. Originalarbeit